Was soll dieses Shisha-Theater?

Sie ist obligatorisch für jede gesellige Runde. Ein Muss bei jungen Leuten, wenn sie abends entspannt den Tag ausklingen lassen wollen, sei es alleine zu Hause oder mit Freunden in der „Shisha Bar“. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viele meiner Geschwister, sei es hier in Deutschland oder auch anderswo, vor allem im Libanon, kaum noch einen Moment ohne eine sog. „Shisha“, also eine Wasserpfeife, verbringen können. Es ist eine Mode, die vor allem in den letzten 10 Jahren die Jugend überwältigt hat.

Vor einiger Zeit fuhr ich in Beirut abends mit dem Aufzug. Mit im Aufzug standen neben mir Shisha-Liferanten – ein mittlerweile sehr einträgliches Gewerbe im Libanon – und lieferten ihre bestellten Shishas, als wären es Pizzen. Ekel überkam mich: Konnten die Leute nicht mehr zusammensitzen, ohne Shisha zu rauchen?

Klar, ich hab’s auch mal ausprobiert, sogar mehrmals. Irgendwann hatte ich eine Shisha in der Hand, und dann kam mir der Gedanke: Was mache ich da eigentlich? Was hat das Ganze für einen Sinn? Ich konnte mir diese Frage nicht beantworten. Hierauf beschloss ich das Shisha-Rauchen sein zu lassen, und dabei war ich ohnehin nur ein kleiner Gelegenheitsraucher, ein wenig wie ein Mitläufer, einer der sich dem Gruppenzwang beugte. Ich sah keinerlei Sinn oder Nutzen mehr darin. Auch nicht den, dass es irgendeine Geselligkeit fördern würde. Es ist sinnlos, mehr als das: Es ist gesundheitsschädlich, nutzlos und dazu sieht es auch nicht sonderlich schön aus, wenn ein gläubiger Mann oder eine gläubige Frau ständig so einen Schlauch im Mund hat und irgendwas vor sich hin blubbert, um dann etwas auszurauchen.

Ich begann mich, vor der Shisha zu ekeln. Und ich habe in meinem Freundeskreis manch einen gütigen Bruder, der abends nach der Uni nach Hause kam und zunächst seine Shisha vorbereitete, bevor er alles andere tat – und dies jeden Tag. Analysiert man deren Situation genauer, dann war oder ist es nicht eine Shisha, die diese oder jene braucht(e), sondern eine gewisse Routine in der Fremde, die ihm Sicherheit gab oder gibt. So funktionieren Suchtmittel meistens. Aber jemand, der Allah wirklich liebt, der das Gebet liebt, der genügend Beschäftigung, genügend Freunde, genügend Halt hat – wozu braucht dieser Mensch eine Shisha?

„Ja aber Shisha-Rauchen ist doch nicht haram. Und Bruder Ali, das ist das Einzige, was wir noch dürfen!“ Es sei dahingestellt, ob diese Aussagen richtig oder falsch sind, das ist nicht mein Thema. Es geht mir nicht um erlaubt oder verboten, es geht mir um Vernunft und Unvernunft, um Sinn und Unsinn, um Nähe zu Allah und Ferne von Allah. Lieber Bruder, liebe Schwester: Wenn du Shisha rauchst, bringt dich das Allah näher? Und ist Shisha-Rauchen wirklich das Einzige, was wir noch dürfen? Ist das dein Ernst?

Shisha-Rauchen bringt mit Sicherheit niemanden Allah näher. Im Gegenteil: Der Schaden, den wir dadurch unserem Körper zufügen, ist eine Entfernung von Allah. Der Schaden, den wir unserer Persönlichkeit antun, ist ebenso Entfernung von Allah. Abends mit Freunden zusammen etwas unternehmen? Klar, wieso nicht? Aber wieso hierfür eine „Shisha-Bar“ aufsuchen, selbst wenn dort kein Alkohol verkauft wird? Und wieso in der Moschee in einem Nebenraum Shisha-Rauchen? Ist das der Sinn des Gotteshauses? Dass Jugendliche dort mit Shishas gelockt werden, damit sie zumindest irgendwann mal in ihrem Alltag mit Religion in Kontakt kommen? Wieso bieten wir nicht gleich Alkohol an, damit auch Nichtmuslime gelockt werden?

Ich halte diese übertriebene Hingabe zur Shisha, vor allem bei Libanesen, für eine Volkskrankheit. Es gibt inzwischen kaum noch jemanden zwischen 14 und 60 Jahren, der nicht mehr oder minder regelmäßig Shisha raucht. Und ich halte es für ein Mittel der Imperialisten, um die Jugend und deren göttlichen Geist zu schwächen.

„Aber Bruder Ali, ich kenne Gelehrte, die Shisha rauchen! Und sogar Schuhada von „Hizb“ rauchen Shisha!“ Bist du Gelehrter, oder bist du an der Front? Das könnte man antworten, aber das ist nicht die richtige Antwort. Woher willst du denn wissen, ob dieser ehrenwerte Märtyrer im Jenseits nicht bereut, dass er Shisha geraucht hat?

Auch unter den Märtyrern gibt es Stufen, und ich urteile hier nicht, sondern ich versuche etwas sachlich zu erklären. Wer weiß, vielleicht hätte dieser oder jener ehrenwerte Märtyrer, eine noch höhere Stufe bei Allah erreicht, wenn er nicht Shisha geraucht hätte. Vergesst nicht: Auch Märtyrer sind „nur“ Menschen, und Menschen machen Fehler, ob Märtyrer oder nicht Märtyrer.

Ich erahne schon den Proteststurm gegen diese Worte, ich würde den Märytern ihren Rang absprechen. Nein meine Lieben, ihr könnt mir vieles vorwerfen, aber das nicht. Im Gegenteil, ich bin sogar sehr dagegen, dass von unseren ehrenwerten Märtyrern private Bilder verbreitet werden, auf denen sie mit einer Shisha in der Hand zu sehen sind, damit man uns das Bild vermittelt, sie seien normale Menschen wie du und ich. Erstens ist das nicht der Fall, und wer weiß? Vielleicht stammen solche Bilder aus einer Zeit, bevor sie selbst von der Shisha abgelassen haben? Ich bin der Überzeugung, dass man ihnen mit so etwas Unrecht tut.

Und die Gelehrten mit der Shisha? Dieses Thema erspare ich mir lieber, auch wenn man mir hiernach jemand Bilder von bestimmten Gelehrten vorlegt, wie sie Shisha rauchen. Es gibt große Gelehrte, die früher rauchten, hiermit aber aus gutem Grund aufhörten.

Das Problem bei einem Thema wie diesem ist es immer, päpstlicher als der Papst zu wirken, weil man etwas Heiliges angreift. Ja, die Shisha ist für viele heilig. Aber nicht nur die Shisha. Auch unsere Smartphones beispielsweise können für uns heilig sein. Wenn man in unseren Reihen die Shisha verdammt, dann ist das mit dem Verdammen des Alkohols bei Nichtmuslimen vergleichbar. Das darf man eigentlich nicht, oder man sollte es unterlassen, wenn man sich nicht unbeliebt machen will. Aber bei der Wahrheit geht es nicht um Beliebtheit. Wahrheit ist Wahrheit, und es ist eine religiöse Pflicht seine Geschwister zum Guten aufzurufen.

Über den Faktor Geld habe ich hierbei noch nicht mal gesprochen. Selbst wenn ihr diese relativ geringen Beträge immer spenden würdet, anstatt damit Shisha zu rauchen, habt ihr bereits bei Allah einen großen Sieg errungen, und vor allem schwächt ihr damit ein weiteres Mittel im sog. weichen Krieg der Imperialisten gegen uns junge Muslime.

Die Imperialisten wollen, dass wir abgelenkt sind, dass wir innerlich zerstreut sind, dass wir schwach sind. „Klar, bete, faste usw., aber in deiner Freizeit kümmere dich um deine Entspannung, um Spaß, um Shisha. Was willst du mit Politik und so?“ Was sie mit der nichtmuslimischen Jugend bereits erreicht haben, wollen sie mit uns ebenfalls erreichen, mit mehr oder minder „halalen“ Mitteln.

Und deswegen sage ich: Lieber Bruder, liebe Schwester, lass das Shisha-Rauchen.

Euer Ali

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Ein Gedanke zu „Was soll dieses Shisha-Theater?“

  1. Assalamu aleykum ve rahmetullahi ve berekatuhu
    Ich danke dir aus tiefstem Herzen für diesen Beitrag Bruder! Mich belastet dieses Thema ebenfalls in letzter Zeit sehr und ich bin froh, dass ich mit meiner Meinung, dass Shisha-Rauchen nicht geeignet für uns Muslime ( und in meinem Fall vor allem nicht für vernünftige Muslima) sein kann, nicht alleine stehe. Ich hoffe, dass viele deinen Beitrag sehen und sich Gedanken zu diesem Thema machen!
    Assalamu alaykum

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